11. Juli 2005

„Genossenfilz“ zwischen Kurt Beck und Peter Struck — Wilhelm Josef Sebastian MdB kritisiert heftig den Auftritt des Ministerpräsidenten im ZNBw Gelsdorf

Als „Stück aus dem Toll­haus“ bezeich­net der CDU-Bun­­­des­­tags­­a­b­­ge­or­d­­ne­­te Wil­helm Josef Sebas­ti­an das Auf­tre­ten von Minis­ter­prä­si­dent Kurt Beck in Graf­­schaft-Gel­s­­dorf zum Stand­ort des Zen­trums für Nach­rich­ten­we­sen der Bun­des­wehr (ZNBw). „Beck ver­kün­digt nun auf Geheiß sei­nes SPD-Kol­­le­­gen Dr. Peter Struck, sei­nes Zei­chens Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung, den Erhalt von 740 Dienst­pos­ten der Bun­des­wehr in Graf­schaft,“ kri­ti­siert der Christ­de­mo­krat, „seg­net aber damit sei­tens des Lan­des Rhein­­land-Pfalz den Weg­gang des Zen­trums für Nach­rich­ten­we­sen ab.“ Noch am 22. Juni habe Kurt Beck an Peter Struck geschrie­ben und ihn gebe­ten, von den Ver­la­ge­rungs­plä­nen ZNBw „Abstand zu neh­men“, so Sebas­ti­an. „Heu­te wis­sen wir, dass unser Minis­ter­prä­si­dent damit auf vol­ler Linie geschei­tert ist!“ Sei­ne gest­ri­ge Ver­mu­tung sieht Wil­helm Josef Sebas­ti­an auf den Punkt bestä­tigt: als direkt gewähl­tem Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten wur­de ges­tern die ihm zuste­hen­de Ant­wort auf eine offi­zi­el­le Anfra­ge an die Bun­des­re­gie­rung aus faden­schei­ni­gen Grün­den ver­wei­gert und heu­te kommt SPD-Bun­­­des­­vi­­ze Kurt Beck mit eben­je­nen Infor­ma­tio­nen an die Öffent­lich­keit. „Das ist ein skan­da­lö­ser Genos­sen­filz!“, so Sebas­ti­ans kur­ze und prä­gnan­te Bewer­tung. In glei­cher Wei­se sei auch die Tat­sa­che zu bewer­ten, dass die Leis­tungs­ver­ein­ba­rung zur Fusi­on zwi­schen Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um und Bun­des­kanz­ler­amt auf der Hard­t­hö­he in Bonn schon am Mitt­woch nach Infor­ma­tio­nen aus gut unter­rich­te­ten Krei­sen unter­schrie­ben wor­den sei. „Am Don­ners­tag war man im Minis­te­ri­um jedoch nicht in der Lage, mir auf eine ein­fa­che Fra­ge dies­be­züg­lich eine Ant­wort zu geben,“ kri­ti­siert Sebas­ti­an. Genau genom­men ver­kün­de Beck damit auch nichts Beson­de­res und Neu­es, denn die Stär­ke des Stand­or­tes Gels­dorf mit 740 Dienst­pos­ten war schon im letz­ten Novem­ber als Bestands­ga­ran­tie nach der Bun­des­wehr­re­form für die Zukunft fest­ge­schrie­ben wor­den. „Der Unter­scheid liegt dar­in, dass vori­ges Jahr noch das Zen­trum für Nach­rich­ten­we­sen als Dienst­stel­le für Gels­dorf benannt wur­de,“ bekräf­tigt Wil­helm Josef Sebas­ti­an, „und heu­te nebu­lös von Kom­pen­sa­ti­on gespro­chen wird.“ Ein wei­te­rer Skan­dal lie­ge genau dar­in: noch Ende 2004 wer­de den Beschäf­tig­ten und Inha­bern der frag­li­chen Dienst­pos­ten in Graf­schaft vor­ge­gau­kelt, der Bestand des ZNBw vor Ort sei gesi­chert, im Juni 2005 erfuhr Sebas­ti­an aber offi­zi­ell, dass bereits seit 2003 im Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um eine Ver­la­ge­rung von Tei­len des Amtes nach Ber­lin unter­sucht wer­de. Auch hand­fes­te inhalt­li­che Kri­tik äußert der CDU-Bun­­­des­­tags­­a­b­­ge­or­d­­ne­­te an der Zusi­che­rung Becks zum Erhalt des Stand­or­tes. „Nie­mand weiß, wel­cher Art von Dienst­pos­ten als Ersatz nach Gels­dorf kom­men sol­len,“ so Sebas­ti­an. Wenn es sich dabei um Ver­la­ge­run­gen aus Rhein­bach nach Graf­schaft han­delt, so sei dies ein „Witz“. Es han­de­le sich dabei um Stel­len, die vor eini­gen Jah­ren erst von Gels­dorf in die nor­d­rhein-wes­t­­fä­­li­­sche Nach­bar­kom­mu­